Eric Hattan und Oliver Senn; Mitten in Pulheim, Johannisstr. 14

Stadtbild. Intervention 2015

Mitten in Pulheim pulsiert das Leben und die Straßen und Plätze füllen sich nach der kalten Jahreszeit wieder mit Menschen. Mitten in Pulheim gibt es ein unbewohntes Haus, eine Garage, ehemalige Gärten, aber auch einen kleinen Schuppen, dessen Tage gezählt sind und der in seiner lapidaren Schönheit an eine Ruheinsel aus vergangenen
Zeiten erinnert. Mitten in Pulheim liegt der Ort für die Stadbild.Intervention von Eric Hattan und Oliver Senn. Die beiden interessieren sich für unspektakuläre Orte, beiläufige Ecken, spektakuläre Nichtigkeiten und musikalische Bilder. Täglich zu unterschiedlichen Zeiten wird die Garten-Idylle durch ihre Intervention während weniger Minuten zum Klang- und Bildkörper, wenn ein furioses Schlagzeugsolo aus der Hütte herausschallt.

Seit Ende der 1980er Jahre entstehen Arbeiten und Interventionen von Eric Hattan an vielen Orten im Innen- und Außenraum. www.hattan.ch. Oliver Senn ist Schlagzeuger und Architekt. Gemeinsam haben Hattan und Senn seit 2010 an verschiedenen Projekten zusammen gearbeitet, insbesondere haben sie 2014 für eine neue Tramlinie in Genf eine Anzahl von Fahrleitungsmasten und Straßenlaternen skulptural umgeformt. (www.art-et-tram.ch, https://vimeo.com/114286279).

Eröffnung am Mittwoch, den 29. April 2015, 18 Uhr,
Johannisstraße 14, 50259 Pulheim
Dauer: 29. April – 21. Juni 2015

Begrüßung: Frank Keppeler
Bürgermeister der Stadt Pulheim

Grußwort: Christian Brand
Geschäftsführer der Stiftungen der Kreissparkasse Köln

Ansprache durch die Künstler

Mitten in Pulheim, Johannisstraße 14 wird gefördert von der Kultur- und Umweltstiftung der Kreissparkasse Köln

Eric Hattan

Eric Hattan beschäftigt sich immer wieder mit Alltäglichem, Unspektakulärem, Unauffälligen. Er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was uns umgibt, was wir jedoch meist nicht wahrnehmen. Sei es, dass er einen über den Asphalt wirbelnden Papierstreifen filmt, eine Verpackung mit Sorgfalt umstülpt, Stühle und ganze Zimmereinrichtungen unter die Decke klemmt: Konkrete Dinge und Räume sind Ausgangspunkt einer ebenso kritischen wie poetischen Hinterfragung, bei der Hattan die „normale“ Ordnung von Architekturen und Situationen durchbricht, Statik mit spielerischer Ironie unterläuft. Dabei spielt vor allem auch das Prinzip des Um- und Neuordnens eine große Rolle in seinem Werk. Eines seiner wichtigsten Werke entstand 1990 im Helmhaus Zürich, in das er – anstelle einer klassischen Ausstellung – seinen gesamten materiellen Besitz verbrachte: Hausrat, Kleider, fertige und unfertige Kunstwerke, Reststücke von Arbeitsmaterialien, Werkzeuge, Ateliermobiliar, selbst Abfall und den Inhalt jeder Lager- und Stauraumecke auf dem Dachboden.

Im urbanen Raum ist Hattan häufig mit der Videokamera unterwegs, gerne in Randgebieten und in der Nähe von Baustellen. Noch nicht oder nicht mehr genutzte Zonen, Liegenschaften kurz vor ihrem Abbruch oder während eines Baustopps, Brachen und Niemandsorte scheinen den Künstler insbesondere zu inspirieren. Auch seine temporären  Projekte im öffentlichen Raum geben Zeugnis von einer Lust, dem Blick aufs Gewohnte eine plötzliche Wende zu geben und Ansichten umzustülpen. Hattans Interventionen laden uns ein, das, was wir sehen, nicht einfach als gegeben hinzunehmen, sondern zu interpretieren und dabei auf unsere Erfahrung und unsere Phantasie zu vertrauen.

Es gehörte immer schon zu den noblen Aufgaben der Kunst, dann und wann ein Stöckchen ins Getriebe unserer Konventionen zu werfen. Und einer, der diese Kunst des Stöckchenwerfens meisterlich beherrscht, ist der 1955 im aargauischen Wettingen geborene Eric Hattan.“ (Samuel Herzog, in: Neue Zürcher Zeitung, 18.3.2014 - www.nzz.ch/aktuell/feuilleton/uebersicht/im-fleckenkleid-der-moeglichkeiten-1.18264767)

„Kunst verstehe ich als Arbeit an Veränderung. Es geht weder um Produkte noch um Lösungen, eher um (immaterielle) Intensität, also um Erfahrung, selbst zu leben und nicht gelebt oder fremdbestimmt zu werden. Aus diesem Ansatz heraus verstehe ich meine Arbeit und die dazu notwendige Haltung als Möglichkeit, mir Wege und Sichtweisen zu eröffnen. Also immer wieder an Punkten – an Straßenverzweigungen – zu stehen und mich zu entscheiden, welche Richtung und welchen Weg ich weiter verfolgen will. Dabei ist – ähnlich einem Falkplan – nie das gesamte Netz zu überblicken.“ (Eric Hattan, www.hattan.ch/fileadmin/hattan/user_upload/PDFs/2011_KuenstlerLexikon_EH.pdf)

 

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